Lebensglück und Yoga- Ein Erfahrungsbericht

Autorin: Katharina Kausch, Philosophin, Filmwissenschaftlerin & Bewegungslehrerin

 

In der Philosophie ist der Weg zum Glück, das Streben nach Glückseligkeit, eine immanente Sehnsucht des Menschen. Das Leben fordert uns immer wieder heraus, diesen Weg zu suchen und seine eigenen Schritte in diese Richtung zu beschreiten. Wir versuchen diesen Weg zu gehen – manchmal getrieben, manchmal bewusst, manchmal ohne dass wir wirklich daran denken. Und dann gibt es Situationen im Leben, in denen wir wissen wir müssen unglückliche Situationen meistern, um dem Glück wieder näher sein zu können.

Es ist egal, in welcher der verschiedenen Situationen wir uns befinden, die Zeit auf der Yogamatte ist die Zeit, in der wir in uns gehen und Körper und Geist geben uns Auskunft über unsere eigene Situation. Es ist faszinierend zu spüren, wie klar und deutlich man in diesen Minuten die Verbindung von der inneren Empfindsamkeit zum äußerlichen Körper wahrnimmt. Der Körper ist ein Seismograph. Sind wir deutlich mit dem Weg des Glücks verbunden, dann spürt man in der Yogapraxis den Fluss des Lebens in freudigem Einklang. Der Geist erscheint fest verankert im Körper, man atmet tief und biegt sich voll Heiterkeit in die Welt. Fast wirkt es, als lächle der gesamte Körper in tiefer Zufriedenheit.

Es gibt aber auch andere Situationen im Leben und die sind, wie wir wissen, nicht selten. Es sind die Stunden, in denen wir zum Yoga gehen und auf der Suche sind nach einem Moment der Zufriedenheit, weil das Glück, durch Konflikte verschiedener Art, weit weg erscheint. In diesen Momenten wandert der Geist hinaus aus dem Yoga-Raum und wir versuchen ihn einzufangen. In diesen Momenten fühlt der Körper sich schwer an, unbiegsam und müde. Und obgleich der klare Verstand weiß, dass wir auf der Yogamatte in einem normalen Raum stehen, scheint die Erdanziehung sich erhöht zu haben und alle Glieder haben an Masse zugenommen.

Manchmal kann es auch in der Stunde den Wunsch geben die Praxis abzubrechen, da Körper und Geist sich nicht vereinen und man den Glauben verliert heute eine zufriedene Praxis meistern zu können. Und an diesem Punkt lehrt uns Yoga geduldig zu bleiben, durchzuhalten und loszulassen. Dann kann es passieren, dass die Bewegungen im Yoga, das Öffnen und Drehen, das Halten und Balancieren, einem eine wunderbare Erfahrung schenken. Man konzentriert sich auf die Ausführungen, versucht seine Gedanken auf den Körper zu lenken; von den Fingerspitzen bis zu den Zehnspitzen.

Man begreift, dass jede Körperübung zu einer Seelenübung wird. Man wird gewahr, dass jedwede Emotionalität am Körper haftet und sich in den Zellen sedimentiert hat. Das, was die Praxis nun verlangt, ist die Annahme dieses Zustands, das Hineinatmen in den Körper und das Loslassen beim Ausatmen. Man erkennt, dass das reine Atmen, auch wenn es selbstverständlich, und daher passiv erscheint, ein aktiver Umgang mit einem Selbst ist. Und in diesem Moment kann es passieren, dass sich etwas in einem löst, die Spannung des Konfliktes sich legt, der Körper geschmeidiger wird und die Schwerkraft ihren normalen Wert wiedergewinnt.

Warum nun verweise ich auf diese Erfahrung, die jeder Yogi früher oder später gemacht hat? Ganz einfach, ich glaube Yoga lehrt uns viel über das Lebensglück und das Glück an sich. Zum einen führt uns die Praxis in eine bewusste Auseinandersetzung mit uns Selbst, unserem gegenwärtigen Glück oder auch Unglück – und egal wie das Resultat dieser Reflexion aussieht – ob wir lächelnd begreifen, wie glücklich wir gerade sind, oder merken, wie fern sich das Glück anfühlt – Yoga lehrt uns die Annahme unseres Zustands. Es ist die Lehre vom Loslassen die wir in der Praxis erfahren und mit der wir, unabhängig vom Glücksfaktor im Alltag, unser Glück selbst bestimmen können. Viele Menschen definieren Glück darüber, dass sich ihre Wünsche erfüllen und natürlich kann keiner es abstreiten glücklich zu sein, wenn ein Wunsch real wird. Aber Glück, ist das nicht ein positiver Zustand, den wir auch selbst bestimmen können? Und ich meine Yoga eröffnet uns die Möglichkeit einen positiven Zustand zu kreieren, zu durchleben und zu spüren. Diese Möglichkeit kann einem Zuversicht schenken, auch wenn der Konflikt nicht gelöst ist, so findet man dennoch eine andere Haltung bzw. eine andere Perspektive dazu. Und so betrachtet kann jede Yogastunde das Glück und das Lebensglück neu vermessen; für sich selbst das Glück etwas näher bringen und einem helfen, auf der Suche nach dem Glück „losgelöst“ weiterzugehen.