Vac- achtsames Sprechen

Wir müssen etwas manchmal erst verlieren, bevor wir es wieder voll und ganz zu schätzen wissen. Wenn eines unserer Sinnesorgane nicht voll funktionsfähig ist, bemerken wir, wenn uns dieses Sinnesorgan normalerweise zur Verfügung steht, wie essentiell der jeweilige Sinn für die Kommunikation und Wahrnehmung der Welt ist. Und wie sich unserer Benutzung und Wahrnehmung dieses Sinnes ändert, wenn er uns dann doch einmal abhanden kommt.

Ich liebe die Musik, ich liebe das Singen, das Lachen und das Sprechen. Da ist es eine wahrlich interessante Erfahrung für mehrer Tage nicht sprechen zu dürfen und danach nur 1-2 Stunden am Tag. Das ist, was eine Kehlkopf-Entzündung zur Folge hat. Jeder, der das schon einmal hatte, weiß wovon ich spreche.

Ich hatte eine Ersatz-Stimme: auf meinem I-Phone kann ich die Funktion „Sprechen“ auswählen, wenn ich etwas geschrieben habe. Das ist sehr praktisch, aber meine Sprach-Assistentin betont alles in derselben Art und Weise: eine Bitte, eine Feststellung, etwas Liebevolles… alles hört sich gleich an. Ganz anders als in dem Film „Her“, in dem die Computerstimme Emotionen und Gefühle nicht nur wörtlich sondern auch mit wunderbar modulierter Sprache von Scarlett Johannssen ausdrückt.

Ehrlich gesagt, war diese Unfähigkeit zu sprechen, sehr heilsam und lehrreich. Alles, was nicht wirklich nötig war, musste wegfallen. Das ist sehr interessant, da man merkt, wie oft man bestimmte Dinge eigentlich gar nicht von sich geben muss.

Aus der Perspektive des Svadhyaya, des Selbst Studiums, bin ich mir bewusst geworden, wie leicht ich in der Kommunikation mit den drei Männern meiner Familie zu Kritik und Verneinung neige. Oh, wirklich? Ich bin voreilig in meiner Bewertung wenn z.B. unser Jüngster schon wieder hinter der Katze herjagt, die sich immer gut zu helfen weiß, indem sie sich auf den Warmwasserzubereiter verzieht. Unerreichbar für kleine Hände und Arme.

Ganz besonders freue ich mich darauf, auch meine Freude an einem durchsichtigen Abendhimmel oder einem gelungenen Abendessen zu teilen.

Meine Sprachlosigkeit inspiriert mich dazu, achtsamer für meinen Tonfall, noch öfter liebevoll und nicht so voreilig mit dem Geschenk der Sprache und der Stimme um zu gehen.

Bildquelle: Wasser-Klang-Bild von A. Lauterwasser des Web-Portals „Schwingung und Gesundheit“